Armut, Solidarität, Seelsorge: Was nützt Kirche?

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Die Gründe sind vielfältig. Wer trotz fehlendem Glauben in der Kirche bleibt, tut dies oft aus Solidarität.

 

Stellungnahmen der Kirchen zu Themen wie Abtreibung, Homosexualität und Gleichstellung, Missbrauchsfälle der römisch-katholischen Kirche, Kirchensteuern sparen oder schlicht und einfach der fehlende Glaube – das sind gemäss Bundesamt für Statistik die gängigsten Gründe für einen Austritt aus der Kirche.

Keine Zahlen hingegen gibt es zu Gründen für einen Verbleib in der Kirche. Bei Gesprächen mit Experten und Kirchenmitgliedern wird aber schnell klar: Wer sich selbst als nicht gläubig bezeichnet, aber trotzdem noch Kirchensteuer zahlt, tut dies oft aus Solidarität. Das soziale Engagement werde geschätzt. «Ich erlebe sehr oft, dass Mensch, die sich Gedanken zum Kirchenaustritt machen, zu der Überzeugung kommen: ‚Nein, das soziale, gesellschaftliche Engagement von der Kirche, das möchte ich unterstützen. Deshalb bleibe ich dabei’», sagt Léa Burger, SRF-Fachredaktorin für? Religion.

Notfallseelsorge, Gefängnisseelsorge(, Beratungen für Paare, Jugendarbeit) oder Begleitung von sterbenden Menschen – das soziale Engagement der Kirchen ist breit gefächert. In den meisten Kantonen finanzieren dies die Kirchen durch die Kirchensteuer von Mitgliedern, die Kirchensteuern von Firmen und Staatsbeiträgen.

Zwei Studien, die die Kantone Bern, Neuenburg, St. Gallen und Zürich angeschaut haben, kommen zu dem Schluss, dass der Wert der kirchlichen Leistungen für die Gesellschaft der Höhe der staatlichen Zuschüsse entspricht oder übersteigt.

Trotzdem bleibt die Frage, ob auch andere Religionsgemeinschaften die Möglichkeit haben sollten, solche Staatsbeiträge zu erhalten – für Leistungen, die sie für die Gesellschaft als Ganzes erbringen.

Dieser Beitrag erschien auf srf.ch