Welpenhandel auf Social Media: So werden Käufer reingelegt

 

 

Der internationale Welpenhandel boomt. 29’000 Hunde wurden 2020 in die Schweiz importiert. So viele wie noch nie. Nicht wenige werden über die sozialen Netzwerke gekauft.

Während der Pandemie und Homeoffice-Zeiten kaufen sich viele Menschen einen Hund. Besonders beliebt sind Rassehunde wie Zwergspitze, Französische Bulldogge, Labrador Retriever und Chihuahua. Sucht man danach, stosst man auf Facebook und Instagram schnell auf Züchter und Händler. Zum Beispiel über den Hashtag #puppiesforsale. Dieser hatte zum Zeitpunkt unserer Recherche über 878’000 Beiträge. Angepriesen werden die Welpen wie Kleidungsstücke: «Weltweiter Versand» oder «Welpen verfügbar und bereit» steht in Beschreibungen von Instagram-Accounts.

Doch der Hundekauf über die sozialen Netzwerke hat so seine Tücken, wie wir in einem Selbstversuch für diese Geschichte erfahren. Wir versuchen über die sozialen Netzwerke einen Hund zu kaufen und bekommen Privatnachrichten von dubiosen Hundehändlern. Viele von ihnen wollten uns den Hund innerhalb von eins bis drei Tagen liefern. Andere wollen eine Vorauszahlung von umgerechnet 1300 Franken.

Dem Käufer wird ein Hund schmackhaft gemacht, den man nie zu Gesicht bekommen wird.

Janine Cirini, Expertin für Welpenhandel bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten sagt: «In dem Moment, wo im Vornherein Geld überwiesen werden soll, handelt es sich um eine Betrugsmasche. Dem Käufer wird ein Hund schmackhaft gemacht, den man nie zu Gesicht bekommen wird.» Auch unsere Kontaktperson auf Facebook scheint ihr trotz zugesandter Gesundheitsdokumente nicht seriös zu sein.

Auch Marcia Lang hat ihre Französisch Bulldogge Xuxa über Facebook gefunden: «Das wär überhaupt nichts Spezielles, den Hund über Facebook zu kaufen.» Bereits auf dem Heimweg merkt sie, dass mit Xuxa etwas nicht stimmt: «Wir sind regelrecht verzweifelt, weil wir auch Angst hatten. Was ist das? Wie können wir ihr helfen?». Rund acht Monate später und Behandlungskosten von rund 13’000 Franken geht es der Hündin wieder besser.

Rubina Nakfour hat ihren ersten Hund, die Zwergspitz-Hündin Schokolina, übers Internet gekauft. Wir treffen sie im Tierspital Zürich, wo Schokolina behandelt wurde. Das Tierspital hat den Mikrochip und die Dokumente der Hündin geprüft. Dabei kam heraus, dass der Zwergspitz aus Weissrussland stammt. «Das ist Wahnsinn. Ich dachte, das wäre der beste Züchter und dann wurde ich so verarscht», sagt Nakfour. Wie Marcia Lang hätte sie nie gedacht, auf einen unseriösen Hundehändler hereingefallen.

Immer mehr schwer kranke Welpen aus dem internationalen Hundehandel landen im Tierspital Zürich: «Welpenhandel gab es schon immer, aber jetzt nimmt es massiv zu», sagt die Tierärztin Iris Reichler. Sie sieht neben den schlechten Zuchtbedingungen auch ein grosses Problem im Transport der Welpen aus dem Ausland. Die jungen Hunde würden während der Reise krank werden, weil sie zu viel Stress und Kontakt mit Infektionserregern hätten. «Für mich heisst die Regel: Wenn man einen Hund kauft, dann sollte man immer zum Züchter fahren. Und wenn das bedeutet, dass sie nach Slowenien fahren müssen, dann fahren sie eben nach Slowenien.»

 

Dieser Artikel erschien auf srf.ch